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28.03.2022

„Schulbegleitungen sind heute so wichtig wie noch nie“

Online-Fachtagung zum Thema „Schulbegleitung in besonderen Zeiten“ war ein großer Erfolg.

Die Rummelsberger Diakonie hat vom 21.03. bis 25.3.22 in Kooperation mit der Lernwirkstatt Inklusion und dem Institut für Schulpädagogik und Schulpsychologie Nürnberg IPSN eine Online-Reihe „Schulbegleitung in besonderen Zeiten“ organisiert. Corona bedingt war es auch in diesem Jahr nicht möglich, den bereits für 2020 geplanten Fachtag durchzuführen. Die Online-Reihe sollte dennoch den Austausch zwischen allen Beteiligten im Schulalltag ermöglichen und wichtige Impulse für die Zusammenarbeit von Lehrkräften, Schulbegleitungen, Eltern und anderen Fachkräften im Hinblick auf eine inklusive Bildung geben. Es nahmen vorrangig Schulbegleitungen teil, aber auch viele Lehrkräfte, Schulleitungen und Vertretungen von Trägern, Bezirken, Ämtern der Stadt Nürnberg und München und des Ministeriums waren anwesend.

Professor Dr. Markus Schaer von der Evangelischen Hochschule Nürnberg hat in seinem Einführungsvortrag am vergangenen Montag ein alarmierendes Bild von den Auswirkungen der Pandemie auf die Schülerinnen und Schüler gezeichnet. Alle verfügbaren Studien zeigen, dass sich die Anzahl der behandlungsbedürftigen psychischen Auffälligkeiten mehr als verdoppelt hat. Zukunftsängste, Depressionen und das Gefühl von Einsamkeit belasteten die Schüler*innen enorm. Was sie jetzt brauchten, sei Beziehung, Bindung, Sicherheit, Stärkung ihres Selbstwertgefühls. „Schulbegleitungen sind heute so wichtig wie noch nie“ betonte Dr. Schaer. Schulbegleitungen haben die Möglichkeit, Beziehung aufzubauen, die Schülerinnen und Schüler zu stärken und zu begleiten. Das ist jetzt viel wichtiger als Stoff zu pauken. Für diese anspruchsvolle Aufgabe sollte die online-Reihe die Schulbegleitungen stärken.

Ein dazu passendes Thema bot der Workshop „Selbstfürsorge im Schulalltag“, der verschiedenste Übungen und Hilfen zur Selbsthilfe und Steigerung der Resilienz für pädagogische Fachkräfte vorstellte, die z.T. gleich ausprobiert werden konnten. Die weiteren Workshops behandelten die Themen Umgang mit herausforderndem Verhalten, die Zusammenarbeit im Team von Lehrkräften, Schulbegleitern und Eltern, Konflikte als Entwicklungshelfer und Digitale Medien und Medienkompetenz als Schulbegleitung. Die Aktualität der Themen zeigte sich in der Anmeldezahl: Nach 450 Anmeldungen musste der Zugang gestoppt werden, um die Veranstaltungen technisch noch stemmen zu können.

„Bildung ist der Beginn der Zukunft“, stellte Prof. Dr. Schaer in seinem Einführungsreferat fest. Investitionen in Bildung, ein Systemwechsel in der Schulentwicklung hin zu einem System, das Persönlichkeitsbildung, Kreativität und Problemlösestrategien in den Mittelpunkt stellt, wäre dringend notwendig. Es gibt gute Ansätze und Projekte in einzelnen Schulen, aber insgesamt passiere in der Schulpolitik viel zu wenig. Inklusive Bildung wird zwar als Ziel der Schulentwicklung proklamiert, aber das Kultusministerium stelle die notwendigen Ressourcen nicht zur Verfügung. Die im Schulalltag unverzichtbaren Schulbegleitungen werden über das Sozialministerium finanziert und individuell einzelnen Kindern zugeordnet. Sie können damit nicht Teil des Schulteams sein. Die sinnvolle und notwendige Zusammenarbeit im Klassenteam ist damit kaum möglich und schon gar nicht verpflichtend. Die Schulbegleitungen haben keinen Anspruch auf die notwendige Aus-, Fort- und Weiterbildung. Die Arbeitssituation für die Schulbegleitungen ist unsicher, herausfordernd, belastend und schlecht bezahlt. Auch für die Träger ist das Arbeitsfeld wenig reizvoll – sehr aufwändig und schlecht refinanziert.

Die Rummelsberger haben bereits bei ihrem 1. Fachtag, der ebenfalls in Kooperation mit der Lernwirkstatt Inklusion und dem IPSN 2016 stattgefunden hatte, einen Forderungskatalog an die damalige Beauftragte der bayerischen Staatsregierung, Irmgard Badura, übergeben. Dieser Forderungskatalog ist nach wie vor aktuell. Er ist auf der Homepage der Lernwirkstatt Inklusion nachzulesen.

Das Veranstaltungsteam bleibt an dem Thema dran und versucht die Bedingungen rund um das Thema Schulbegleitung als einen Baustein der inklusiven Bildung weiter voranzubringen, im Alltag Schulbegleitungen, Lehrkräfte und Eltern zu stärken und an die Verantwortung der zuständigen politischen Instanzen zu appellieren.

Der nächste Fachtag ist bereits geplant und wird je nach Corona-Lage im Herbst oder im nächsten Frühjahr stattfinden.


Von: Irmingard Fritsch

Großes Interesse an der Online-Fachtagung "Schulbegleitung in besonderen Zeiten". Nach 450 Anmeldungen musste der Zugang gestoppt werden. Foto: Rummelsberger Diakonie