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25.01.2021

Teilhabe ohne Kontakte?

Die Aufgaben von Casemanagerinnen und Casemanagern der Rummelsberger Diakonie in Zeiten von Corona

Nürnberger Land – Menschen mit Behinderung bei der gesellschaftlichen Teilhabe unterstützen: In einem Satz zusammengefasst die Aufgabe von Casemanagern und –managerinnen, die seit 2012 das Angebot in den Wohnbereichen ergänzen. In Zeiten von Corona ist das eine schier unlösbare Aufgabe. „Teilhabe hat mit Kontakten zu tun und Kontakte soll man im Moment nicht haben, das ist wirklich paradox“, sagt Gunther Liedel, der als Casemanager bei der Rummelsberger Diakonie im Nürnberger Land arbeitet. „Das Hauptproblem ist, dass man Besprechungen mit den Klientinnen und Klienten braucht, um zu erfahren, was diese sich wünschen. Die Vorgaben für diese Besprechungen sind aber im Moment sehr streng, daher fehlen mir viele Informationen.“

Auch Anna-Lena Deeg, Gunther Liedels Kollegin, erlebt das derzeit so. „Unsere Arbeit lebt einfach von Kontakten. Normalerweise bin ich in der Einrichtung unterwegs und die Bewohnerinnen und Bewohner kommen zu mir und sagen: ‚Wenn ich dich grad seh‘ und teilen ihr Anliegen mit mir. Das fällt im Moment komplett weg. Außerdem ist ein großer Teil unserer Aufgabe, die Menschen in ihrer Freizeitgestaltung zu unterstützen, das ist aber zum größten Teil auch nicht möglich“, so die Heilpädagogin. Anderes, was sich nicht verschieben lässt, muss trotzdem organisiert werden. „Die Prozesse, die möglich sind, zum Beispiel Umzüge, sind viel aufwändiger zu steuern. Wo man sonst einmal zusammensitzen würde mit allen Beteiligten, sind jetzt 20 E-Mails nötig“, fasst Christiane Butte zusammen. Diese Besprechungen, die sogenannten Teilhabegespräche, sind essentiell für die Arbeit von Casemanager*innen. „Im Moment können wir uns eigentlich nur per Telefon- oder Videokonferenz austauschen. Viele Klientinnen und Klienten können das kognitiv oder körperlich allerdings nicht leisten, also sind das eher runde Tische. Mit Teilhabe hat das dann natürlich nicht mehr viel zu tun“, so Christiane Butte.

Wenn die Aufgaben wegfallen, ist dann Urlaubsstimmung bei den sechs Casemanager*innen der Rummelsberger Diakonie im Nürnberger Land? Mitnichten. „Der einzige Unterschied zum Alltag ist, dass uns Kontakte fehlen und dadurch Informationen“, ergänzt Daniela Werner, ebenfalls Casemanagerin. „Und viele gesetzliche Regelungen erschweren die Arbeit natürlich auch. Wenn die Klientinnen und Klienten als Menschen der Risikogruppe isoliert bleiben sollen und gleichzeitig ein Betretungsverbot in einer Firma besteht, die normalerweise Praktikumsplätze zur Verfügung stellt, dann wird es schon schwierig.“ Einzelbegleitungen in unterschiedlichen, kreativen Formen durchführen, Wohnungsbesichtigungen begleiten, Einrichtungswechsel vorbereiten, bei der Arbeitsplatzsuche unterstützen, Teilhabegespräche unter erschwerten Bedingungen durchführen… und das mit Bewohnerinnen und Bewohnern nicht nur aus einer Einrichtung, sondern aus dem Wichernhaus in Altdorf, vom Wurzhof in Postbauer-Heng, aus dem Haus Mamre in Rummelsberg und aus dem Haus Weiher in Hersbruck. Einige helfen auch regelmäßig in unterschiedlichen Wohnbereichen aus, wenn es personell knapp ist. „Ungefähr einen Monat haben wir auch damit verbracht, eine Befragung zu organisieren und durchzuführen, wie die Menschen in den Einrichtungen den ersten Lockdown erlebt haben. Das war sehr aufwändig“, erinnert sich Anna-Lena Deeg. „Außerdem versuche ich natürlich trotzdem, per Telefon oder Messenger Dienst mit den Bewohnerinnen und Bewohnern im Kontakt zu bleiben.“ Immer wieder nachfragen, wer welche Unterstützung benötigt, das ist ihr und den Kolleginnen und Kollegen ein Anliegen.

„Menschen an Ihrer Seite sein, dieser Gedanke ist mir wirklich wichtig“, erinnert Gunther Liedel an den Leitspruch der Rummelsberger Diakonie. „Mit Menschen, die in ihrer Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt sind, ist ein persönlicher Kontakt einfach unendlich wichtig. Alltagsmasken und Kontaktbeschränkungen sind sicher pandemiebedingt notwendig, für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung aber maximal hinderlich.“

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Von: Diakonin Arnica Mühlendyck