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24.01.2019

Europa auf dem Stundenplan

Förderzentrum für Körperbehinderte der Rummelsberger Diakonie in Altdorf füllt das neue Siegel „Schule für Europa“ durch viele Aktivitäten und Reisen mit Leben.

Altdorf – Manchmal dauert es, bis Engagement sichtbar wird. Seit 2012 darf sich das Förderzentrum für Körperbehinderte am Wichernhaus in Altdorf „Schule für Europa“ nennen. Nun hat die Bayerische Staatskanzlei den Preisträgerschulen das Siegel „Schule für Europa“ verliehen. Mit der Auszeichnung werden Schulen geehrt, die den europäischen Gedanken an ihre Schülerinnen und Schüler weitertragen.

„Was bringt uns Europa?“ Diese Frage stellt Jochen Riehl sich und seinen Schülerinnen und Schülern immer wieder im Unterricht. Der 59-Jährige vertraut auf die demokratischen Werte der Europäischen Union (EU). Für ihn gibt es keine andere Möglichkeit, als gemeinsam zu denken und gemeinsam zu handeln. Seit 32 Jahren arbeitet Riehl als Lehrer am Förderzentrum in Altdorf. In der Berufsschulstufe bereitet er Jugendliche auf den Übertritt ins Berufsleben vor. Jedes Jahr unternimmt seine Klasse mindestens eine Fahrt zu den europäischen Nachbarn. Dabei geht es um die Erfahrung, gemeinsam zu verreisen, aber auch um politische Bildung. „Die Schülerinnen und Schüler erleben dabei die Vielfalt Europas“, erklärt Riehl.

Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern wird schnell deutlich, dass es in der Klasse ein Bewusstsein für Europa gibt. „Ich finde es gut, dass es hier schon lange keinen Krieg mehr gab“, sagt Patrick Härteis (17). Er besucht die 12. Klasse im Altdorfer Förderzentrum. Mit der Schule war er schon in Griechenland, der Slowakei und in Ungarn.

Angefangen hat das Engagement für Europa im Wichernhaus Ende der 90er-Jahre. Ein wichtiger Schritt beim Aufbau stabiler Beziehungen war die Schulpartnerschaft mit der Fachmittelschule für Schüler und Schülerinnen mit körperlicher und geistiger Behinderung im slowakischen Zilina, die 2006 geschlossen wurde. „Es freut uns, dass die Freundschaft zu den europäischen Partnerschulen gerade vor dem Hintergrund des europäischen Gedankens gut gewachsen ist und zudem auch Anerkennung findet“, sagt Schulleiter Andreas Kasperowitsch. Gerade in der aktuellen Diskussion um den Brexit bedauert er sehr, dass das politische Europa auseinander zu driften droht. „Wir wollen und können mit dieser Schulpartnerschaft und menschlichen Begegnungen solchen negativen Entwicklungen entgegenwirken“, erklärt Kasperowitsch.

Unterstützt wird das Europa-Engagement des Förderzentrums der Rummelsberger Diakonie von Studierenden der Sozialen Arbeit der Technischen Hochschule in Nürnberg. Monique Hubmann (27) studiert dort soziale Arbeit. In den kommenden Monaten hilft sie mit, die für Sommer geplante Fahrt nach Ungarn zu organisieren. Die Gruppe will an der Donau entlang von Bratislava nach Budapest radeln. Finanziert wird die Reise mit Zuschüssen der EU. „Europa bietet uns Frieden. Wenn ich im Beruf bin, werde ich vermitteln, wie wichtig ein vereintes Europa ist“, sagt die gelernte Kinderkrankenschwester.

Ein besonderes Projekt, das aus dem europäischen Austausch entstanden ist, ist Mühlenkraft e.V. Als Vorsitzender engagiert sich Jochen Riehl dafür, die Harnbachmühle bei Rupprechtstegen in der Hersbrucker Schweiz zu einer Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Behinderung auszubauen. „Die Idee, die Harnbachmühle zu gründen, kam bei einem Schüleraustausch mit England“, erzählt der 59-Jährige. Die Engländer seien in der erlebnispädagogischen Arbeit mit Menschen mit Behinderung weit voraus. „Auch Menschen mit Behinderung sollen Erfahrungen machen wie Klettern, Reiten, Radfahren und Boot fahren. Genau wie Menschen ohne Behinderung“, fordert Jochen Riehl.

Und sie sollen auch die Möglichkeit haben, neue Länder und andere Kulturen kennenzulernen. „Wir schauen uns auf unseren Fahrten immer auch an, wie Menschen mit Behinderung in anderen Länder leben“, erzählt Riehl. Das helfe auch dabei, über das eigene Leben zu reflektieren und selbstbewusst auf seine Bildungs- und Arbeitschancen zu schauen.

Denn nicht immer ist bei den europäischen Nachbarn alles besser, findet Patrick Härteis aus der 12. Klasse des Förderzentrums. Bei seinen Reisen durch Europa hat er sich sehr interessiert angeschaut, wie Menschen mit Behinderung in anderen Ländern leben. Sein Kommentar: „Da bin ich froh, dass ich hier in Altdorf wohne.“

 


Von: Heike Reinhold

Gemeinsam für Europa: Schülerinnen und Schüler des Förderzentrums für Körperbehinderte am Wichernhaus in Altdorf und Studierende der Technischen Hochschule Nürnberg gestalten gemeinsam den Austausch mit den europäischen Partnerschulen. Jochen Riehl (rechts) organisiert die Kooperation als Lehrer am Förderzentrum. Foto: Heike Reinhold

24.01.2019

Europa auf dem Stundenplan

Förderzentrum für Körperbehinderte der Rummelsberger Diakonie in Altdorf füllt das neue Siegel „Schule für Europa“ durch viele Aktivitäten und Reisen mit Leben.

Altdorf – Manchmal dauert es, bis Engagement sichtbar wird. Seit 2012 darf sich das Förderzentrum für Körperbehinderte am Wichernhaus in Altdorf „Schule für Europa“ nennen. Nun hat die Bayerische Staatskanzlei den Preisträgerschulen das Siegel „Schule für Europa“ verliehen. Mit der Auszeichnung werden Schulen geehrt, die den europäischen Gedanken an ihre Schülerinnen und Schüler weitertragen.

„Was bringt uns Europa?“ Diese Frage stellt Jochen Riehl sich und seinen Schülerinnen und Schülern immer wieder im Unterricht. Der 59-Jährige vertraut auf die demokratischen Werte der Europäischen Union (EU). Für ihn gibt es keine andere Möglichkeit, als gemeinsam zu denken und gemeinsam zu handeln. Seit 32 Jahren arbeitet Riehl als Lehrer am Förderzentrum in Altdorf. In der Berufsschulstufe bereitet er Jugendliche auf den Übertritt ins Berufsleben vor. Jedes Jahr unternimmt seine Klasse mindestens eine Fahrt zu den europäischen Nachbarn. Dabei geht es um die Erfahrung, gemeinsam zu verreisen, aber auch um politische Bildung. „Die Schülerinnen und Schüler erleben dabei die Vielfalt Europas“, erklärt Riehl.

Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern wird schnell deutlich, dass es in der Klasse ein Bewusstsein für Europa gibt. „Ich finde es gut, dass es hier schon lange keinen Krieg mehr gab“, sagt Patrick Härteis (17). Er besucht die 12. Klasse im Altdorfer Förderzentrum. Mit der Schule war er schon in Griechenland, der Slowakei und in Ungarn.

Angefangen hat das Engagement für Europa im Wichernhaus Ende der 90er-Jahre. Ein wichtiger Schritt beim Aufbau stabiler Beziehungen war die Schulpartnerschaft mit der Fachmittelschule für Schüler und Schülerinnen mit körperlicher und geistiger Behinderung im slowakischen Zilina, die 2006 geschlossen wurde. „Es freut uns, dass die Freundschaft zu den europäischen Partnerschulen gerade vor dem Hintergrund des europäischen Gedankens gut gewachsen ist und zudem auch Anerkennung findet“, sagt Schulleiter Andreas Kasperowitsch. Gerade in der aktuellen Diskussion um den Brexit bedauert er sehr, dass das politische Europa auseinander zu driften droht. „Wir wollen und können mit dieser Schulpartnerschaft und menschlichen Begegnungen solchen negativen Entwicklungen entgegenwirken“, erklärt Kasperowitsch.

Unterstützt wird das Europa-Engagement des Förderzentrums der Rummelsberger Diakonie von Studierenden der Sozialen Arbeit der Technischen Hochschule in Nürnberg. Monique Hubmann (27) studiert dort soziale Arbeit. In den kommenden Monaten hilft sie mit, die für Sommer geplante Fahrt nach Ungarn zu organisieren. Die Gruppe will an der Donau entlang von Bratislava nach Budapest radeln. Finanziert wird die Reise mit Zuschüssen der EU. „Europa bietet uns Frieden. Wenn ich im Beruf bin, werde ich vermitteln, wie wichtig ein vereintes Europa ist“, sagt die gelernte Kinderkrankenschwester.

Ein besonderes Projekt, das aus dem europäischen Austausch entstanden ist, ist Mühlenkraft e.V. Als Vorsitzender engagiert sich Jochen Riehl dafür, die Harnbachmühle bei Rupprechtstegen in der Hersbrucker Schweiz zu einer Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Behinderung auszubauen. „Die Idee, die Harnbachmühle zu gründen, kam bei einem Schüleraustausch mit England“, erzählt der 59-Jährige. Die Engländer seien in der erlebnispädagogischen Arbeit mit Menschen mit Behinderung weit voraus. „Auch Menschen mit Behinderung sollen Erfahrungen machen wie Klettern, Reiten, Radfahren und Boot fahren. Genau wie Menschen ohne Behinderung“, fordert Jochen Riehl.

Und sie sollen auch die Möglichkeit haben, neue Länder und andere Kulturen kennenzulernen. „Wir schauen uns auf unseren Fahrten immer auch an, wie Menschen mit Behinderung in anderen Länder leben“, erzählt Riehl. Das helfe auch dabei, über das eigene Leben zu reflektieren und selbstbewusst auf seine Bildungs- und Arbeitschancen zu schauen.

Denn nicht immer ist bei den europäischen Nachbarn alles besser, findet Patrick Härteis aus der 12. Klasse des Förderzentrums. Bei seinen Reisen durch Europa hat er sich sehr interessiert angeschaut, wie Menschen mit Behinderung in anderen Ländern leben. Sein Kommentar: „Da bin ich froh, dass ich hier in Altdorf wohne.“

 


Von: Heike Reinhold

Gemeinsam für Europa: Schülerinnen und Schüler des Förderzentrums für Körperbehinderte am Wichernhaus in Altdorf und Studierende der Technischen Hochschule Nürnberg gestalten gemeinsam den Austausch mit den europäischen Partnerschulen. Jochen Riehl (rechts) organisiert die Kooperation als Lehrer am Förderzentrum. Foto: Heike Reinhold