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06.03.2020

Selbstbestimmt leben und sterben

Die Evangelische Stiftung Hospiz unterstützt die Rummelsberger Diakonie mit 19.600 Euro

Rummelsberg – „Wie können Menschen menschenwürdig aus dem Leben gehen?“ Dieser Frage möchte der evangelisch-lutherische Regionalbischof in München und Oberbayern, Christian Kopp, in seiner Amtszeit schwerpunktmäßig nachgehen. Kopp ist ebenfalls Vorsitzender des Vorstands der Evangelischen Stiftung Hospiz. Die Stiftung hat mit insgesamt 19.600 Euro drei Projekte der Rummelsberger Diakonie ermöglicht.

Die Evangelische Stiftung Hospiz fördert die Rummelsberger Diakonie bereits viele Jahre. „Wir sind sehr froh, dass die lange Unterstützung, die unter Ihrer Vorgängerin Susanne Breit-Kessler begonnen hat, durch Sie fortgeführt wird“, bedankt sich Reiner Schübel, Vorstandsvorsitzender der Rummelsberger Diakonie, für die großzügige Spende.

Am Wurzhof, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Postbauer-Heng, wurde ein sogenannter Snoezelen-Wagen angeschafft. „Nun können Menschen, die nicht mehr aufstehen können, am Ende ihres Lebens Düfte, Klänge und Farben direkt vom Bett aus erleben“, beschreibt Diakon Stefan Schurkus, Leiter des Wurzhofs. Viele kämen dadurch sehr gut zur Ruhe, sagt Schurkus. Auch zwei Relax-Sessel mit Aufstehhilfe, um „die Seele baumeln zu lassen“, konnten mit Hilfe der Spende bestellt werden.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Stephanushauses in Rummelsberg dürfen sich auf eine neu eingerichtete „Ruheoase“ freuen. Ruhesessel, künstlicher Kamin und Wassersäulen sollen vor allem Seniorinnen und Senioren mit demenzieller Erkrankung die Möglichkeit geben, zur Ruhe zu kommen. „Gerade für diese Menschen ist es wichtig, dass sie immer wieder neu anfangen können in Bezug auf ihre Emotionen“, erklärt Diakon Werner Schmidt, Leiter des Stephanushauses.

Das dritte Projekt sind Hilfsmittel, beispielweise spezielle Gehwägen, für die neue Seniorentagespflege, die Teil des im Bau befindlichen Seniorenzentrums Gottfried Seiler in Feucht sein wird.

Die Mitarbeitenden der Dienste für Menschen im Alter und für Menschen mit Behinderung sind dankbar für die Möglichkeiten, den Menschen in den Einrichtungen das Lebensende so angenehm wie möglich zu gestalten. „Ab wann ist Leben nicht mehr lebenswert: Wer entscheidet das? Und was möchte der Mensch am Lebensende wirklich? Wie finde ich das heraus, auch wenn er sich vielleicht nicht mehr äußern kann? Diese Fragen beschäftigen uns in der Behindertenhilfe und in der Altenhilfe schon lange“, fasst Diakon Volker Deeg, der fachliche Leiter der Dienste für Menschen mit Behinderung, zusammen. „In allen Häusern arbeiten wir darum eng mit Hospizvereinen zusammen.“ Peter Kraus, der fachliche Leiter der Dienste für Menschen im Alter, ergänzt: „Neben dem Thema Demenz ist die palliative Versorgung in unseren Einrichtungen eines der Schwerpunktthemen, die wir verfolgen.“ Karl Schulz, Geschäftsführer sowohl der Dienste für Menschen mit Behinderung als auch für Menschen im Alter, bekräftigt: „Das haben wir schon seit vielen Jahrzehnten auf dem Schirm. Rund 70 Prozent der Menschen, für die wir arbeiten, sind nicht sprachfähig. Darum sind diese Fragen für uns besonders wichtig.“

In Bezug auf das kürzlich gefällte Urteil des Bundesgerichtshofs zum Recht auf selbstbestimmtes Sterben werden diese Themen in Zukunft noch präsenter für die Mitarbeitenden bei Trägern wie der Rummelsberger Diakonie. „In diese Diskussion können wir auf jeden Fall viele Erfahrungen und Expertise mit einbringen“, kündigt Werner Schmidt an.

Regionalbischof Christian Kopp ist der öffentliche Diskurs sehr wichtig. „Wir müssen auf jeden Fall an dem Thema dranbleiben“, mahnt er. „Erspüren, was der sterbende Mensch braucht und will, das ist schwierig. Und bei all dem dürfen wir nicht vergessen: Neben dem Recht auf selbstbestimmtes Sterben steht auch das Recht auf selbstbestimmtes Leben.“


Von: Diakonin Arnica Mühlendyck

Der evang.-luth. Regionalbischof München und Oberbayern, Christian Kopp (Mitte) übergab im Stephanushaus den symbolischen Spendenscheck an den Vorstandsvorsitzenden der Rummelsberger Diakonie, Reiner Schübel (4.v.r)