Auf Augenhöhe

Angebote für Menschen mit Behinderung

Infos zum Standort
01.07.2019

Normalität erleben in der eigenen Wohnung

Fachtag „Wohnträume – Wohnräume“ der Rummelsberger Diakonie betonte Recht auf Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung.

Rummelsberg – Wir leben unser Leben, wie es uns gefällt und wie wir es uns leisten können. Eine eigene Wohnung, wer will, gründet eine Familie und sucht sich eine Arbeit, die seinen Interessen und Fähigkeiten entspricht. Für die Mehrheit der Menschen in Deutschland ist das völlig normal. Durch die UN-Behindertenrechtskonvention und das Bundesteilhabegesetz werden Menschen mit Behinderung darin bestärkt, diese Möglichkeiten auch für sich einzufordern. Eine wichtige Entscheidung auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben ist die eigene Wohnung. Aber es ist nicht alles, wie die 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim 3. Fachtag „Wohnträume – Wohnräume“ der Rummelsberger Offenen Angebote im Berufsbildungswerk in Rummelsberg deutlich machten.

„Selbstständig wohnen bedeutet für mich, Normalität zu erleben in meinem Anderssein. Mein eigenes Leben zu leben und selbst darüber bestimmen zu können“, beschrieb es Tanja Hechtel aus Altdorf. „Ich will Termine so ausmachen können, wie es für mich passt und Unterstützung an den Stellen bekommen, an denen ich sie brauche“, sagte die junge Frau. Sie lebt in einer eigenen Wohnung und erhält Unterstützung von Mitarbeitenden des Ambulant unterstützten Wohnens. Seit neun Jahren begleitet die Rummelsberger Diakonie Menschen, die in die eigenen vier Wände gezogen sind. „Wir unterstützen dabei, soziale Kontakte aufzubauen. Außerdem begleiten wir bei Behördenangelegenheiten ebenso wie bei Krisen und natürlich unterstützen wir auch bei den Anforderungen des Alltags wie zum Beispiel beim Einkaufen, Kochen, Waschen und Bügeln“, sagte Claudia Bartels, Leiterin Ambulante Dienste der Rummelsberger Behindertenhilfe beim Fachtag Wohnen.

Das Wohnen mit einer Begleitung durch pädagogische Fachkräfte ist nicht die einzige Möglichkeit für Menschen mit Behinderung. Sie können inklusive Wohngemeinschaften gründen oder auch in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung leben. „Wie ein Wohntraum am Ende genau aussieht, sollen – das ist schließlich das Wesen der Inklusion – die Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen so weit wie möglich selbst entscheiden“, betonte Schirmherr Holger Kiesel, bayerischer Beauftragter für Menschen mit Behinderung, in seinem Grußwort.

Aber ganz gleich, welche Wohnform gewählt wird, der Wohnungsmangel erschwert die Suche nach geeignetem Wohnraum enorm. Die Referenten Wolfgang Pritsching von der Sozialbehörde der Stadt Hamburg und Hans-Willi Pastors von der Evangelischen Stiftung Hephata in Mönchengladbach stellten am Fachtag Konzepte vor, wie man auch auf einem angespannten Wohnungsmarkt Wohnraum für Menschen mit besonderen Bedarfen schaffen kann (siehe Interview).

Karl Schulz, Vorstand Dienste der Rummelsberger Diakonie, appellierte in seiner Ansprache an Politik und Gesellschaft, bei den Themen Wohnungsnot und Fachkräftemangel strukturell zu unterstützen: „Letztlich liegt es auch an jedem einzelnen von uns, ob wir in unserem privaten Leben die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung hinnehmen oder ob wir uns aktiv für Inklusion, für eine bunte und vielfältige Gesellschaft einsetzen.“


Von: Heike Reinhold

Die Referentinnen und Referenten sowie die Organisatorinnen des Fachtags Wohnen der Rummelsberger Diakonie freuten sich über eine gelungene Veranstaltung. Foto: Heike Reinhold