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13.07.2021

Heilerziehungspflege-Schüler*innen ziehen Resümee über die Ausbildung in Corona-Zeiten

Einsatz in Praxisstellen ist herausfordernd – wichtige Stütze für Bewohner*innen

Ebenried – Endlich dürfen die Schüler*innen wieder in die Fachschule für Heilerziehungspflege in Ebenried kommen. Neben dem Unterricht geht es nun auch darum, bewusst zu reflektieren, wie für die Ausbildungsbeginner das erste Ausbildungsjahr gelaufen ist. Besonders gefehlt hat der persönliche Austausch in den Praxisstellen. Dort warteten auch die größten Herausforderungen auf die Schüler*innen.

Sylke Frauenhofer macht ihre praktische Ausbildung in einer Einrichtung für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. Dort gab es über Weihnachten einen größeren Corona-Ausbruch. „Alle mussten im Zimmer bleiben und wir durften nur in voller Schutzkleidung arbeiten“, erzählt Sylke Frauenhofer. „Wir haben versucht, mit jedem einzeln ein kleines Weihnachten zu feiern. Besonders schwer war es, niemanden berühren zu dürfen, vor allem wenn die Bewohner zu einem sagen: ‚Ich will dich doch so gerne umarmen‘“.

Auch für die Fachschülerin Valentina Zigic führte der Lockdown zu schwierigen Situationen in ihrer Praxisstelle, einer Einrichtung für Menschen mit einer Mehrfachbehinderung: „Für die Bewohner war vieles verboten. Sie durften nicht raus, waren sehr isoliert, nicht mal ihre Eltern durften zu Besuch kommen. Sie hatten große Angst und haben gefragt: ‚Was ist los? Was ist das für eine Maske? Sind meine Eltern krank, weil ich sie nicht sehen darf? Wann ist es vorbei?‘“

Lehrkraft und stellvertretender Schulleiter Andreas Schock bewundert die Leistung der Schüler*innen in dieser Zeit: „Sie haben das seelische Überleben der Bewohner*innen ermöglicht“, sagt er.

An den Online-Unterricht haben sich längst alle gewöhnt, doch zu Beginn kam es auch dabei immer wieder zu Schwierigkeiten. „Am Anfang war es sehr angespannt, ich habe mir viel Stress gemacht“, berichtet Valentina Zigic. „Es gab immer wieder technische Schwierigkeiten oder jemand hatte Probleme mit dem Internet.“ „Alle Unterlagen und Skripte übersichtlich abzuspeichern und bei Bedarf wiederzufinden, hat viel Selbstorganisation gefordert. Das hat nicht immer geklappt“, ergänzt ihr Klassenkamerad Christian Obermeier, „und zu Hause ist man vielen Ablenkungen ausgesetzt, da ist es gar nicht so einfach, konzentriert dabei zu bleiben.“

Für Sylke Frauenhofer hatte der Online-Unterricht etwas Positives: „Ich war länger erkrankt und hätte nicht an die Schule fahren und am Unterricht teilnehmen können. Durch den digitalen Unterricht konnte ich die Ausbildung weiterführen, worüber ich sehr froh bin.“

Celina Pelka zieht ebenfalls ein positives Fazit: „Am Anfang war alles schwierig, aber es wurde immer besser und am Schluss war alles möglich.“ Die Schülerin stellt auch den Lehrkräften ein positives Zeugnis aus: „Die Lehrkräfte mussten ihren kompletten Unterricht umstellen. Das hat recht zügig geklappt. Mit Videokonferenzen, Einzelaufgaben und Gruppenarbeiten in digitalen Gruppenräumen war der Unterricht verständlich und abwechslungsreich. Auch bei Prüfungsleistungen sind uns die Dozenten entgegengekommen, haben Klausuren in Hausarbeiten oder mündliche Online-Prüfungen umgewandelt.“

Andreas Schock und die anderen Lehrkräfte haben das Gefühl, dass Interessenten wegen der schwierigen Lage derzeit oft zögern und sich unsicher sind, ob sie sich für die Heilerziehungspflegeausbildung bewerben sollen. Celina Pelka hat dazu eine Meinung: „Es ist natürlich unklar, wie lange es Corona-Einschränkungen geben wird, aber jetzt ist alles eingespielt, jetzt läuft alles. Das Schöne an der Fachschule Ebenried ist die familiäre Atmosphäre, man kennt jedes Gesicht. Also bewirb dich!“

Wer Interesse an der Ausbildung zum/zur Heilerziehungspfleger*in hat kann sich unter www.rummelsberger-diakonie.de/hep oder direkt im Sekretariat unter 09179/96560 informieren. Die Bewerbung für den Ausbildungsbeginn im September 2021 ist noch möglich.


Von: Tina Dehm