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01.12.2017

Damit Kinder und Jugendliche eine echte Chance haben

Frühförderstellen in der Region benötigen neue Therapiematerialien und bessere Ausstattung

Altdorf/ Hilpoltstein – Stellen Sie sich ein kleines Mädchen vor, nennen wir sie Hannah. Hannah ist vor wenigen Wochen drei Jahre alt geworden, an ihrem Geburtstag haben Mama und Papa einen Schokoladenkuchen mit bunten Zuckerstreuseln gebacken. Hannah durfte die Kerzen auspusten und sich etwas wünschen. Bald würde sie in den Kindergarten kommen. Doch von einem Tag auf den anderen bekam Hannah hohes Fieber, ihr wurde schlecht, Mama saß besorgt an ihrem Bett und legte ihr die Hand auf die glühende Stirn. Hannah weinte, ihr tat der Hals so weh, auch hinten, wo ihre Haare im Nacken zu einem Zopf gebunden waren. Immer wieder musste sie sich übergeben. Papa rief den Notarzt, der das kleine Mädchen sofort mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus einliefern ließ. Verdacht auf Hirnhautentzündung.

Der Verdacht bestätigte sich: Hannah fiel ins Koma, musste auf der Intensivstation behandelt werden. Die Ärzte kämpften um ihr Leben. Tag und Nacht wachten die Eltern an ihrem Bett. Hannah hat Glück gehabt, sie überlebte die lebensgefährliche Meningitis. Doch nachdem sie aus dem Koma erwacht war, konnte sie ihre Beine nicht mehr bewegen. Alles, was sich Hannah in den ersten drei Jahren ihres Lebens erarbeitet hatte, das Krabbeln, das Hochziehen am Tischbein, schließlich das Laufen und Springen, war von heute auf morgen unmöglich geworden. Die verzweifelten Eltern wandten sich an die Ärzte. So landete die kleine Hannah bei den Therapeuten der Therapieabteilung Wichernhaus der Rummelsberger Diakonie in Altdorf.

Leiterin Martina Zapf, die auch die Interdisziplinäre Frühförder- und Beratungsstelle des Wichernhauses Altdorf verantwortet, erinnert sich gut an das kleine Mädchen, das so plötzlich durch die schwere Krankheit zurückgeworfen wurde. „Das war ein sehr bewegendes Schicksal“, gibt die Heilpädagogin zu. Hannah wurde lange Zeit sehr intensiv therapeutisch gefördert, um ihr das zurückzugeben, was sie verloren hatte. Ihre Selbstständigkeit. „Es hat eineinhalb Jahre gedauert, ehe sie in einigen Lebensbereichen auf dem Stand von vor der Hirnhautentzündung war“, sagt Martina Zapf. Möglich wurde das nur, weil Hannah und ihren Eltern das interdisziplinäre Team aus Ärzten, Heilpädagoginnen, Physiotherapeuten, Ergotherapeutinnen, Logopäden, Psychologinnen und Pädagogen zur Seite stand.

Frühes Eingreifen ist wichtig

Die Frühförder- und Beratungsstelle in Altdorf fördert Kinder von der Geburt bis zum Schuleintritt, die eine Entwicklungsverzögerung oder Behinderung haben oder denen eine Behinderung droht. Die Therapieabteilung des Wichernhauses Altdorf begleitet Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von drei bis 22 Jahren. „Es kommt sehr darauf an, wie früh Kinder Therapien und Hilfen erhalten“, sagt Martina Zapf. Je eher man ansetze, desto größer seien die Aussichten, dass sie Entwicklungsverzögerungen aufholen könnten. Viele der Kinder und Jugendlichen, die von Zapf und ihrem Team begleitet werden, sind Frühchen, einige sind in ihrer kognitiven, motorischen, sprachlichen oder auch sozial-emotionalen Entwicklung verzögert.

Einiges habe sich im Laufe der Jahre verändert, erzählt Martina Zapf. Viele Kinder lernten den eigenen Körper nicht mehr so selbstverständlich kennen. Draußen zu spielen und zu toben, sich schmutzig machen, die eigenen – auch körperlichen Grenzen und Möglichkeiten austesten – das sei nicht mehr selbstverständlich. Und so lernen viele der Kinder erst in der Therapie, wie es ist, wenn sie in einer Hängematte liegen. Ganz schwerlos. Oder wie sie ihre Arme einsetzen, um sich an einer Sprossenwand hochzuziehen. Um den Klientinnen und Klienten all diese Erfahrungen zu ermöglichen, brauchen Frühförderstellen wie die in Altdorf oder Hilpoltstein jede Menge Ausstattung. Sei es in Form von Therapie- und Bewegungsräumen, von Materialien zum Spielen, Basteln oder Werken.

Um die oft teuren Materialien kaufen zu können, sind Martina Zapf, aber ebenso ihre Kolleginnen der Frühförderung in Hilpoltstein und des Jugendhilfezentrums Rummelsberg, auf Spenden angewiesen. Sei es für weitere Exemplare eines therapeutisch sinnvollen Spiels, für standardisierte Tests, die oft viele hundert Euro kosten, oder für Neuentwicklungen, die einen echten Vorteil bringen. „Therapiematerial entwickelt sich natürlich weiter. Jedes Jahr kommt neues, verbessertes Equipment heraus, das in vielen Fällen tatsächlich einen Mehrwert bringt“, erklärt Martina Zapf. Andere wichtige Hilfen werden gar nicht von den Kostenträgern finanziert, zum Beispiel, wenn Kinder von der Frühförderung in die Schule wechseln.

Helfen Sie uns, Kindern und Jugendlichen einen guten Start uns Leben zu ermöglichen. Unterstützen Sie Therapien für Kinder in der Region!

Spendenkonto:      
  
Rummelsberger Diakonie e.V.
Raiffeisenbank Altdorf-Feucht eG
IBAN: DE89 7606 9440 0001 1855 00
BIC: GENODEF1FEC
Stichwort: Therapie für Kinder


Von: Andrea Wismath

Spielen, toben und dabei die eigenen Fähigkeiten und Grenzen kennenlernen. Das können Kinder in der Interdisziplinären Frühförder- und Beratungsstelle in Altdorf.

Einige sehr wirksame Therapien erfordern aufwändige technische Geräte. Hier eine Vibrationsplatte, die ein Trainieren auch von schwacher Muskulatur ermöglicht. Foto: Paavo Blåfield