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25.08.2017

Die Natur bestimmt die Rezepte

Beate Koch und Edith Hendrych verarbeiten gemeinsam mit anderen Frauen und Männern am Wurzhof Kräuter, Obst und Gemüse aus der Region zu außergewöhnlichen Lebensmitteln

Postbauer-Heng – Jetzt im Sommer sammeln sie Duftrosen, Holunder oder Labkraut – Beate Koch und Edith Hendrych sind viel in der Natur unterwegs. Im Frühjahr waren es Wildkräuter oder Löwenzahn, im Herbst sind es Früchte wie Hagebutten. Die beiden Frauen richten sich ganz nach der Jahreszeit und kochen das, was sie finden, ein. Doch es sind nicht einfache Lebensmittel, die entstehen, sondern außergewöhnliche Kreationen: Orientalischer Duftrosen-Zucker, Schwarzwälder-Kirschmarmelade oder Portwein-Feigen-Senf.

Die 37-jährige Beate Koch besucht die Tagesstruktur am Wurzhof, eine Einrichtung der Rummelsberger Diakonie für Menschen mit einer Behinderung am Rande von Postbauer-Heng. Edith Hendrych ist dort pädagogische Fachkraft. Nicht weit vom Wurzhof wachsen Wildrosen. Ideal für das Durftrosengelee, das die beiden Frauen einkochen wollen. In Körben sammeln sie die Rosenblätter, die sie später trocknen und dann für die Weiterverarbeitung ansetzten. Beate Koch rührt das Gelee und passt auf, dass es nicht überkocht. Dann füllen sie es gemeinsam in Gläser ab. Das Etikettieren und Verpacken koordiniert Mitarbeiterin Rosemarie Klein. Alle Besucher der Tagesstruktur helfen dabei zusammen. Einer locht die Etiketten, Beate Koch fädelt sie auf Schnüre auf und wieder ein anderer bindet sie ans Glas.

Beate Koch ist motiviert. Sie will mitmachen und sich einbringen. „Sie hat gute hauswirtschaftliche Fähigkeiten“, sagt Edith Hendrych. „Hier findet sie eine Bestätigung.“ Seit sechs Jahren arbeiten die beiden Frauen Seite an Seite und stellen ein Produkt nach dem anderen her. So entstehen duftende Öle, exotische Marmeladen oder Backmischungen für Brot. Im vergangenen Jahr waren es rund 130 Produkte. Das Sortiment wechselt je nach Jahreszeit. Verarbeitet wird das, was es gerade gibt. Außerdem entstehen immer nur kleine Chargen. „Wir wollen es mit Freude machen und nicht müssen“, sagt Edith Hendrych.

Es gibt nur ein Produkt, das sie zu jeder Jahreszeit anbieten. „Himbeeressig ist unser Verkaufsschlager“, sagt die Erzieherin. Deshalb frieren sie die Beeren ein, um auch im Winter Essig ansetzen zu können. Die meisten Rezepte hat Edith Hendrych im Kopf. Sie hat schon immer viel mit Wildkräutern und Früchten experimentiert.

Inzwischen gibt es einen festen Kundenstamm, der die Produkte vom Wurzhof schätzt. Zu kaufen gibt es die Marmeladen, Chutneys, Öle oder Salze direkt am Wurzhof, in der ESS-BAR in Postbauer-Heng, den Rummelsberger Bäckereien oder auf verschiedenen Märkten. „Wir sind auf zehn bis zwölf Märkten im Jahr, zum Beispiel beim Tag der Regionen in Hartenstein, der Neumarkter Obstbörse oder auf verschiedenen Weihnachtsmärkten“, sagt Hendrych. Von dem Verkaufserlös unternimmt die Gruppe Ausflüge und geht zum Beispiel mal Eis essen. Dann genießen Beate Koch und Edith Hendrych mal die Leckereien, die andere herstellen.

Hier sind die Wurzhof-Produkte erhältlich:
Wurzhof, Postbauer-Heng: Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr, Freitag von 8 bis 13.30 Uhr

ESS-BAR, Bahnhofstraße 13A, Postbauer-Heng: Montag, Mittwoch, Freitag von 5.15 bis 14 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 5.15 bis 17 Uhr

Rummelsberger Bäckerei, Rummelsberg 49, Schwarzenbruck: während der Sommerferien: Montag bis Freitag von 6.30 bis 13.30 Uhr, Samstag von 7.30 bis 11.30 Uhr; nach den Sommerferien: Montag bis Freitag von 6.30 bis 16.30 Uhr, Samstag von 7.30 bis 11.30 Uhr

Rummelsberger Bäckerei, Mimberger Str. 12, Burgthann: Montag bis Freitag von  6.30 bis 17.00 Uhr, Samstag von 6.30 bis 12.00 Uhr, Sonntag von 7.30 bis 17.00 Uhr


Von: Claudia Kestler

Beate Koch (rechts) und Edith Hendrych verarbeiten am Wurzhof Kräuter, Obst und Gemüse zu Pesto, Chutneys oder Marmeladen. Fotos: Simeon Johnke